banner_weiss.gif

St. Antonius Apotheke

  • Apothekerin Dr. Gudrun Ahlers e.Kfr.
  • Mainzer Str. 2
  • 65552 Limburg
Thema: Pflege

Palliativversorgung: Ein gutes Ende

Viele Schwerstkranke wünschen sich, den letzten Lebensabschnitt zu Hause zu verbringen. SAPV-Teams helfen bei der Organisation und Versorgung
von Julia Rudorf, 22.11.2017

Einige todkranke Menschen wünschen sich noch einen letzten Urlaub

ddp Images/Michiko Tierney

Was nimmt man mit auf eine Reise, von der man weiß, dass es die letzte ist? Die Mitarbeiter des Zentrums für Ambulante Hospiz- und Palliativ-Versorgung Oberhaching erinnern sich noch gut an den Patienten, dem sie halfen, ein letztes Mal mit der Familie in den Urlaub zu fahren.

Er litt an amyotropher Lateralsklerose, kurz ALS. Die Erkrankung des Nervensystems ist unheilbar. Im Verlauf können Patienten immer schlechter schlucken, sprechen und atmen. Dann geht es nicht mehr ohne Beatmungsgerät, Rollstuhl und Schmerzmittel. "Der Patient und seine Angehörigen haben alles zusammengepackt und konnten noch eine Woche am Gardasee verbringen", erzählt die Palliativmedizinerin Dr. Petra Dietz-Laukemann.

Palliativmedizinerin Dr. Petra Dietz-Laukemann und Palliativ-Care-Pflegerin Laura Weingerth vom Zentrum für Ambulante Hospiz- und Palliativversorgung Oberhaching

W&B/Andre Kirsch

Leben, bis zum Schluss

Zusammen mit einer Palliativ-Pflegefachkraft, mit Physio- und Atemtherapeuten sowie einem Seelsorger hatte sie den Patienten im Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) zu Hause betreut, auch bei seiner letzten Urlaubsplanung. Für das Team sind solche Wünsche wichtig, denn in der Palliativversorgung geht es weniger um den Tod. Sondern um das Leben. "Einmal noch im Garten sitzen, ins Kino gehen oder Holz hacken – das alles ist Lebenqualität", sagt Petra Dietz-Laukemann.  

Etwa 300 SAPV-Teams gibt es in Deutschland. Rund 75 000 Patienten wurden 2015 von ihnen betreut. "Die spezielle Versorgung soll sicherstellen, dass auch schwer kranke Menschen die letzte Lebensphase selbstbestimmt und im vertrauten Umfeld verbringen können", sagt Michaela Hach von der Bundesarbeitsgemeinschaft SAPV. Die Teams aus Palliativmedizinern und Palliativ-Pflegefachkräften werden unter anderem von Psychologen, Sozialpädagogen und Physiotherapeuten unterstützt. So können sie auch die Patienten zu Hause betreuen, die sonst wegen ihrer fortgeschrittenen Krankheit kurz vor dem Tod in ein Krankenhaus eingewiesen würden.

SAPV – Das sollten Sie wissen

Wer hat Anspruch? Gesetzlich Versicherte, deren verbleibende Lebenszeit wegen einer unheilbaren Krankheit begrenzt ist und die eine besonders aufwendige medizinische Versorgung brauchen, können die Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) in Anspruch nehmen. Privatversicherte müssen sich bei ihrer Krankenversicherung zur Kostenübernahme erkundigen.

Was ist ein SAPV-Team? Zu einem SAPV-Team gehören immer Palliativmediziner und Palliativ-Pflegefachpersonen. Je nach Region werden beispielsweise auch Physio- oder Atemtherapeuten, Sozialarbeiter und Seelsorger mit einbezogen.

Wie sieht die Arbeit aus? SAPV-Teams arbeiten auf Wunsch des Patienten in enger Abstimmung mit Hausarzt, Pflegedienst und Angehörigen zusammen. Sie ergänzen zum Beispiel die bestehende palliative Versorgung, beraten zu Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität, zu Pflegemitteln oder zur Ernährung.

Wie bekommt man die Unterstützung? Eine Versorgung durch ein SAPV-Team kann vom Krankenhaus-, Fach- oder Hausarzt verordnet werden. Privatversicherte müssen sich bei ihrer Krankenversicherung informieren. Wenn es um die Unterstützung nach einem Krankenhausaufenthalt geht, kann der zuständige Sozialdienst des Krankenhauses weiterhelfen.

Wo arbeiten SAPV-Teams? Adressen gibt es bei den Krankenkassen oder im Internet, etwa unter www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de


Jede Betreuung ist anders

Das betrifft zum Beispiel Patienten, die wegen einer chro­nischen Lungenerkrankung dauerhaft an Atemnot leiden, und Menschen, denen eine fortgeschrittene Krebserkrankung starke Schmerzen bereitet. "Komplexes Symptomgeschehen" nennt sich das in der Sprache der Krankenkassen. Die Betreuung, die Betroffene brauchen, ist bei jedem anders.
Wenn ein SAPV-Team einem Patienten den ersten Hausbesuch abstattet, gibt es daher keinen festen Ablaufplan, sagt Palliativ-Care-Pflegefachkraft Laura Weingerth: "Wir sind sehr offen und versuchen herauszufinden: Was möchte der Patient? Wie könnte man die Angehörigen unterstützen?" Speziell ausgebildete Pflegefachkräfte gehören zu jedem SAPV-Team.

Hilfsmittel für zuhause

Im häuslichen Umfeld erkennen sie meist schnell, ob der Patient Hilfsmittel braucht. Etwa ein Pflegebett. Oder Hilfe vom Physiotherapeuten, damit der Patient weniger Schmerzen hat, wenn er sich aufsetzt. Die Kernteams, meist Palliativmediziner und Pfleger, können dann über das Zentrum für Ambulante Hospiz- und Palliativ-Versorgung weitere Mitarbeiter einbeziehen.
Die Grenzen zwischen Medizin, Pflege und dem psychosozialen Bereich sind in der Palliativversorgung manchmal fließend. Christian Klug ist Physiotherapeut und betreut seit fünf Jahren Palliativpatienten. Oft, sagt er, helfen Atemtherapie, Massagen oder Lymphdrainagen gegen Wassereinlagerungen. "Manchmal wollen Patienten aber einfach nur reden. Dann hören wir eben zu." 

Auch Sozialpädagogen sind häufig in SAPV-Teams integriert. "Viele Patienten quält die Sorge um ihre Angehörigen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sie Kinder zurücklassen", erzählt die Sozialpädagogin Anita Ptok.

Diakon Harald Braun, Physiotherapeut Christian Klug und Sozialpädagogin Anita Ptok vom SAPV-Team Oberhaching

W&B/Andre Kirsch

Oft bleibt nur wenig Zeit

Sie und ihre Kollegen können dann bei der Regelung finanzieller oder rechtlicher Angelegenheiten Unterstützung anbieten. Diese eher organisatorischen Maßnahmen haben ebenfalls einen Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen:

Mit den Sorgen lassen oft auch die Schmerzen nach. Anderen Patienten helfen Gespräche mit dem Seelsorger. "Sterben ist auch ein spiritueller Prozess, den wir unabhängig von Religion oder Konfession begleiten", sagt Harald Braun, evangelischer Diakon und Seelsorger in der SAPV.

Manchmal bleibt den Teams für die Begleitung jedoch nur wenig Zeit, manche Patienten haben keine zwei Wochen mehr zu leben. Palliativmedizinerin Dr. Dietz-Laukemann hofft, dass in Zukunft mehr Menschen die Angebote von Hospiz- und Palliativberatungsdiensten nutzen, um sich über die verschiedenen Möglichkeiten der Versorgung zu informieren. Auch wenn niemand gern über den eigenen Tod nachdenke: "Es kann das Leben erleichtern."



Bildnachweis: ddp Images/Michiko Tierney, W&B/Andre Kirsch

Lesen Sie auch:

Palliativmedizin

Ein besseres Recht auf Sterben in Würde »

Die Palliativmedizin ist mehr als Händchenhalten bei todkranken Menschen. Ein neues Gesetz hat die Versorgung der Patienten aufgewertet. Kritikern geht die Regelung nicht weit genug »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Haben Sie Schlafprobleme?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages